Türchen 11: Feyana Herbstwind

Aquarell, Airbrush, Filz- und Aquarellstifte, ca. A5, 2021

Zu diesem Bild erfahrt ihr hier (viiieeel) mehr vom Auftraggeber. ;-)

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Das wunderschöne Bild von Mia zeigt Feyana, die Hauptfigur einer kleinen Geschichte, die ich für meine Kinder geschrieben habe. Meine Tochter Fine und ihr Bruder Falk sind selbst begeisterte Rollenspieler und erleben bereits seit einigen Jahren gemeinsame Abenteuer in der Welt des Schwarzen Auges. Ich hoffe, den beiden mit Orks! eine Freude machen zu können.

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ORKS!

(Warum Feyana das magisches Kurzschwert Dämmerglanz geschenkt bekam)

Feyana wagte kaum zu atmen. Trotz ihrer scharfen Elfenaugen konnte sie die riesenhafte Gestalt nur undeutlich im dichten Unterholz zwischen den herbstbunten Ahornbäumen ausmachen. In diesem Teil des Waldes war sie schon lange nicht mehr gewesen.

Sonnenstrahlen glitten wie tastende Finger überall durch das dichte rot, grün und golden gefärbte Blätterdach und verwandelten den herbstlichen Wald in ein wirbelndes Farbenspiel.

Die junge Waldelfe kniff die Augen zusammen. Sie konnte dichtes schwarzes Haar an Kopf und Schultern ausmachen und einen Pelz, der an den Beinen etwas heller wurde. Das Wesen stand aufrecht. Drehte ihr den Rücken zu.

War es ein Bär?

Als die Gestalt sich bewegte schimmerte Metall.

‚Ein Schwarzpelz‘, dachte Feyana und ihr Magen krampfte sich schmerzhaft zusammen.

‚Sie haben mich eingeholt …‘

Verzweiflung und Erschöpfung drohten die junge Waldelfe zu überwältigen. Orks waren Hetzjäger. Nicht besonders flink auf kurzer Distanz. Doch was ihnen an Schnelligkeit fehlte machten die Schwarzpelze durch Ausdauer und Zähigkeit wieder wett. Sahja Nebelkatze hatte schon vor Wochen vor diesen Kreaturen gewarnt, die sich immer häufiger aus dem Flachland in die bergigen Wälder der Sippen wagten. Die erfahrene Kämpferin hatte am Sippenfeuer von den erbarmungslosen Kriegern, Räuber und Plünderern erzählt, deren Anführer ein schrecklicher Zauberweber war, ein finsterer Schamane und mit dem Bösen selbst im Bunde.

Das honigblonde Elfenmädchen biss sich auf die Unterlippe. Niemand in der Sippe hatte Sahja Nebelkatzes Warnungen ernst genommen. Sie war eine fähige Kriegerin, doch urteilte sie oft zu schnell und zu hart über Nichtelfen. Aber dann, vor zwei Tagen, mitten in der Nacht, waren sie auf einmal dagewesen. Feyana fühlte den Zorn in sich aufsteigen, als sie an ihre Familie dachte. An die Herbstwind-Sippe, die überfallen und verschleppt worden war von diesen Kreaturen.

Diesen Orks!

Feyana selbst war nur durch einen Zufall entkommen. Sie, ihre beste Freundin Naira und deren Bruder Cayariel, hatten an diesem frühen Morgen Nachtvögel gejagt und waren deshalb während des Angriffs nicht in der Siedlung gewesen. An das was danach passiert war, konnte Feyana sich nur bruchstückhaft erinnern. Als sie ins Dorf zurückgekehrt waren, hatten die Orks schon auf der Lauer gelegen. Die fliehenden Kinder waren anschließend erbarmungslos durch die bergigen Wälder gehetzt worden. Was aus den anderen geworden war, wusste sie nicht. Auf ihrer wilden Flucht hatten sie sich aus den Augen verloren. Warum die Schwarzpelze sich diese Mühe machten ein paar Elfenkinder tagelang zu jagen, war Feyana ein Rätsel. Sie selbst hatte jedenfalls keine Reichtümer bei sich, auf die Plünderer es abgesehen haben konnten. Selbst ihr mit Borten, Stickereien und mit Fransen eigentlich schön verziertes Oberkleid aus Elfenbausch war inzwischen von Brombeerbüschen und Dornenranken an so vielen Stellen zerrissen, dass es schwierig sein würde es wieder auszubessern. Und auch die hellgrünen Beinkleider und ihre weichen, halbhohen Lederstiefel waren inzwischen über und über mit Schlamm verkrustet und zerkratzt. Wollten die Schwarzpelze vielleicht verhindern, dass andere Elfensippen vom Schicksal der Herbstwind-Sippe erfuhren? Oder hatten sie einfach nur eine böse Freude an der Elfenjagd?

‚Lasst mich doch einfach in Ruhe‘, dachte das Mädchen grimmig, wagte aber nicht es laut auszusprechen.

Doch was sollte sie nun tun? Hatte sie überhaupt noch eine Chance?

Der Ork hatte sie noch nicht gesehen. Er stand nun im Halbschatten einer kleinen Birke und bückte sich gerade. Vermutlich suchte er nach ihrer Spur. Über Feyanas Gesicht huschte ein bitteres Lächeln. Sie hatte es gründlich satt davonzulaufen.

Behutsam fischte die junge Elfe einen ihrer guten Pfeile aus dem mit Stickereien verzierten Rückenköcher. Es war keiner der stumpfen Pfeile die sie und andere Elfenkinder für die Vogeljagd benutzten und die auch heute den Großteil der Schäfte in ihrem Köcher ausmachten. Drei scharfe Pfeile, hatten die jungen Jäger jeweils von Lauriel Silberklang erhalten, dem uralten Schmied der Herbstwind-Sippe, dessen Kunst unter den Stämmen der Westelfen seit Jahrhunderten große Anerkennung genoss und dessen meisterliches Jagdschwert ‚Dämmerglanz‘ als unerreicht unter seinesgleichen galt.

Das Mädchen zog die Sehne ihres Kurzbogens bis zum Mundwinkel durch. Und dann noch weiter. So etwas war nicht gut für das Holz, das wusste sie. Aber für diesen Schuss würde sie alle Kraft brauchen, die das vollkommen gewachsene Eibenholz ihres Bogens nur geben konnte. Ein solches Stück Holz zu finden, es zu bearbeiten, zu tillern und zu verzieren kostete selbst einen erfahren Bogenbauer viel Zeit. Dementsprechend kostbar war jedem Elfenkind der erste, nur für es selbst angefertigte Bogen.

Als die Finger ihrer rechten Hand das Läppchen ihres rechten, spitzen Ohres berührten, ließ Feyana los. Der Pfeil verließ zischend die Sehne, die mit einem melodischen Laut zurückschnellte.

Doch beinahe im selben Moment, warf der Unhold sich zur Seite, mit einer Leichtfüßigkeit, die die junge Elfe diesem grobschlächtigen Hünen niemals zugetraut hätte.

-Und ihr mit Eulenfedern befiederte Jagdpfeil verfehlte sein Ziel und durchschlug lediglich den linken Oberarm der Kreatur, wo er stecken blieb.

Feyana stand einen Augenblick lang wie gelähmt vor Entsetzen, während die riesige Gestalt sich zu ihr umwandte und dann wie ein wildgewordener Auerochse auf sie losstürmte. Die Blätter unter seinen Füßen stoben auf. Unterholz brach. Mit nur einer Hand schwang die Kreatur eine große Eisenaxt.

Einen unendlichen Moment lang kämpfte das Elfenmädchen mit der aufkommenden Panik. Dann griff sie erneut mit fliegenden Fingern in ihren Rückenköcher und nockte einen weiteren Pfeil auf die Sehne.

Sie schoss unmittelbar bevor das zottelige Ungetüm sie erreichte.

Der Unhold brüllte.

Doch der Pfeil war gut gezielt und traf den anstürmenden Riesen direkt vor die Brust.

Dort prallte er wirkungslos ab.

‚Ein Vogelpfeil‘, dachte das Mädchen noch voll Grauen, dann riss sie eine gewaltige Ohrfeige von den Beinen.

Gleißend helle Sterne tanzten vor ihren Augen.

Der Schlag war so heftig gewesen, dass Feyana benommen auf dem Boden saß, während sie unwillkürlich ihre Linke gegen die Wange presste, die nun wie Feuer brannte. Tränen schossen ihr in die Augen und behinderten zusätzlich ihre Sicht.

Der riesenhafte Schatten des Feindes war direkt vor ihr.

Dann über ihr.

Das Mädchen versuchte die Tränen wegzublinzeln.

Der Unhold hatte sich über sie gebeugt. Sagte dabei etwas mit tiefer Stimme in einer groben lauten Sprache. Noch immer steckte der blutige Pfeil in seinem Oberarm. Feyana sah nun etwas klarer und langsam kehrte auch die Kraft in ihren Armen zurück. Trotzdem konnte sie die Linke nicht von ihrer brennenden Wange nehmen. Es war als wäre sie dort festgewachsen. ‚Es ist nur der Schmerz‘, dachte die junge Elfe. ‚Ich kann immer noch kämpfen.‘ Mit der freien Rechten tastete sie nach ihrem kurzen Messer mit der dunklen Feuersteinklinge, das sie in einer geflochtenen Bastscheide um den Oberschenkel gebunden trug. Ihr Gegner hatte es vielleicht noch nicht bemerkt, da Feyanas hüftlange Bauschjacke ganz darüber hing und es verdeckte. Schließlich fanden ihre tastenden Finger den geschnitzten beinernen Messerriff. Durch den sich lichtenden Schleier von Tränen sah die junge Elfe ihren Gegner nun ganz nah. Die wettergegerbten Züge. Den dichten Bart. Die gewaltige Nase. Zwei hellblaue Augen. Einen schwarzen Mantel aus Bärenfell.

‚Ein Mensch‘, dachte Feyana entsetzt. Sie hatte das Messer schon fast aus seiner Scheide gezogen. Doch nun zögerte sie. Nur für einen kurzen Augenblick. Da schloss sich die gewaltige Faust auch schon um ihre Hand mit dem Messer und entwand ihr die Steinklinge. Mit einem Grunzen steckte sich der Mann die Waffe in den Bund seiner Ziegenfellhose. Dann ließ er das Mädchen los und griff sich stattdessen den kostbaren Elfenbogen. Es knackte laut und einen Moment lang glaubte Feyana ihr Bogen wäre zerbrochen. Doch der Mann war nur auf einen der Pfeile getreten, die überall verstreut lagen. Dabei konnte das Mädchen sich nicht einmal daran erinnern, dass ihr die Pfeile aus dem Köcher gefallen waren. Dann drehte der Hüne sich um und stapfte einfach davon, während er wie ein zorniger Bär vor sich hin brummte. Feyanas Bogen nahm er mit sich. Das Obsidianmesser auch. Die junge Waldelfe sah ihm nach. Als er im Unterholz verschwunden war, saß sie noch immer auf dem mit bunten Blättern bedeckten Waldboden und hielt sich die schmerzende Wange, die inzwischen glühend heiß und schon merklich angeschwollen war.

„Immerhin lebe ich“, schniefte Feyana leise. Sie versuchte gar nicht erst die Tränen zurückzuhalten, als sie nun mit der freien Rechten nach ihrer Gürteltasche tastete, die sich bei dem Sturz geöffnet hatte und deren Inhalt nun zwischen ihren verstreuten Pfeilen lag. Viele davon waren zerbrochen. Der Riese musste absichtlich oder unabsichtlich darauf getreten sein.

Während ihr die Tränen nun hemmungslos über die Wange kullerten, sammelte das Mädchen mit zitternden Fingern die verbliebenen Pfeile und ihre übrige Ausrüstung ein. Die Reservesehne für ihren Bogen war noch da. Auch der flache, irdene Tiegel mit der Paste aus zerstoßenen Einbeeren war zum Glück unbeschädigt geblieben. Die Heilkraft der Salbe würde das schmerzhafte Pochen und auch die Schwellung in ihrem Gesicht schnell lindern. Vorsichtig öffnete Feyana den kleinen Behälter. Doch dann hielt sie inne. Sie hatte nicht auf einen Menschen schießen wollen. Er war nicht ihr Feind gewesen und sie hatte ihn ernsthaft verletzt.

Ja beinahe getötet!

Feyana schauderte es, als sie daran dachte.

Aber jetzt hatte er ihr Messer.

Und ihren Bogen.

Ohne ihre Waffen war sie den Orks völlig ausgeliefert.

Stöhnend stand die junge Elfe auf. Nur ein einziger ihrer guten Pfeile war ihr geblieben. Der zweite steckte vielleicht noch immer im Oberarm des Menschenmannes. Der dritte war unter seinen Stiefeln zerbrochen. Das Mädchen nahm die kostbare Metallspitze und steckte sie in ihre Gürteltasche. Dann überlegte sie kurz – und folgte dem Mann.

Was sollte sie auch sonst tun?

Feyana war eine geübte Spurenleserin. Ihre Tante Anon hatte sie schon oft für ihr Talent gelobt. Aber ihre Fähigkeiten brauchte das Mädchen heute nicht, denn der Mensch bewegte sich so auffällig wie eine ganze Rotte Wildschweine durch den herbstlichen Wald. Hin und wieder gab es Blutspritzer. Jeder aus der Siedlung hätte dieser Spur folgen können. Sogar Nandalee, und der war erst 4 Jahre alt.

Die Erinnerung an den kleinen Jungen ließ Feyana laut aufschluchzen.

Wie es ihm wohl ging?

Mit ihrem Ärmel wischte sich Feyana die Nase ab. Dann stapfte sie entschlossen weiter.

Sie würde Nandalee retten.

Sie würde alle retten!

Kurze Zeit später hatte das Mädchen ein enges Tal mit einem sprudelnden, klaren Bach erreicht, an dem eine merkwürdige Behausung stand. Ein Haus wie dieses hatte die junge Elfe noch nie zuvor gesehen. Es war eine Art riesiger Holzkasten, neu gebaut aus versetzt gestapelten Baumstämmen, die an seiner Rückseite einen Kamin aus geschichteten Bruchsteinen umschlossen. Die Schlagspuren in Holz waren noch ganz frisch. Das Holzhaus stand sicherlich noch nicht sehr lange. Das Dach der Behausung war aus überlappenden flachen Holzstücken gelegt. Es gab mehrere, mit gegerbten Tierhäuten bespannte, Fensteröffnungen und eine einfache, aus Brettern gezimmerte Eingangstüre. Die grob geschmiedete Axt, die der zottelige Menschenmann vorhin bei sich getragen hatte, steckte tief in einem Hackklotz vor der Türe. Hineingeschlagen vermutlich im Vorübergehen, aber mit gewaltiger Kraft, denn sie war fast bis zu dem langen Eschenstil in das Holz des Blockes eingedrungen.

Absichtslos taste Feyana nach ihrem Gesicht. Der jähe Schmerz ließ sie scharf die Luft einziehen. Ihre linke Wange fühlte sich an, als hätte sie eine Trollbirne im Mund. Sehnsüchtig dachte das Mädchen wieder an ihre Heilsalbe. Doch dann trat sie seufzend zu dem niedrigen Eingang. Dieser Mensch hatte bestimmt gerade schlimmere Schmerzen als sie.

Die Tür war nicht verriegelt und ließ sich offenbar einfach aufstoßen. Behutsam drückte das Mädchen gegen das Holz. Die Türe öffnete sich mit einem Knarren und das Tageslicht fiel in die Geräumigere von zwei Kammern. Der große Menschenmann sah sie an. Er saß auf einem hölzernen Stuhl vor einem krude gezimmerten Tisch aus Eichenholz. Vor dem Hünen stand eine glänzende Schale aus einem weißen Material, das das Mädchen noch nie gesehen hatte. Das Wasser darin war blutrot. Feyanas Pfeil lag daneben. Er war ebenfalls blutverschmiert. Der Mann hielt eine tönerne Flasche in der Hand, aus der er gerade eine farblose Flüssigkeit über die Wunde an seinem linken Oberarm goss, die noch immer stark blutete. Hinter dem Mann, neben einer einfachen Feuerstelle, lehnte das größte Schwert, das Feyana je gesehen hatte, und dabei war sie schon 12 Jahre alt. Die Waffe war fast so gewaltig wie der Mann selbst. Oder war sie sogar größer? Die junge Elfe wusste es nicht zu sagen, denn der Fremde saß noch auf seinem Stuhl und starrte sie die ganze Zeit über an.

Mädchen und Mann musterten einander.

Dann verzogen sich seine Mundwinkel und er sagte wieder etwas in dieser rauen Menschensprache.

Es klang fast wie ein Bellen, fand Feyana.

Das Mädchen spürte Angst in sich aufsteigen. Große Angst sogar. Trotzdem trat sie in das Halbdunkel der primitiven Behausung. Sie widerstand der Versuchung die Tür nicht zu schließen um sich so einen Fluchtweg offen zu halten. Es würde ihr ohnehin nichts nutzen. Für das was sie vorhatte musste sie viel zu nah an diesen Menschen heran.

Der Mann beobachtete sie, rührte sich aber nicht.

Das Herz schlug Feyana bis zum Hals und drohte fast zu zerspringen, während sie ihren Salbentiegel vor sich hingestreckt hielt wie ein Schutzamulett.

„Heilsalbe“, sagte Feyana beschwörend wie zu einem verwundeten Tier und trat näher.

„Heelisaaabee?“, fragte der riesige Mann mit seinem tiefen grollenden Bass. Dann verzog auf einmal ein Grinsen sein haariges Gesicht und er begann leise zu lachen. Ein Geräusch, als hätte ein Bär einen Schluckauf. Dabei war die junge Elfe sich ziemlich sicher, dass er sie nicht verstanden hatte, sondern nur nachahmte, was er glaubte gehört zu haben. Der Mensch hatte die Flasche mittlerweile beiseite gestellt und drückte nun mit seiner gewaltigen Hand die Blutung ab, was ihm mehr schlecht als recht gelang. Trotzdem wirkte er nun viel weniger gefährlich und so trat Feyana vorsichtig zum Tisch und stellte den kleinen Tiegel mit der Einbeerenpaste darauf. Der Mann beobachtete dabei jede ihrer Bewegungen.

‚Er hätte mich längst packen können‘, dachte Feyana, während ihr feine Schweißperlen den Rücken herabrannen. ‚Aber er hat mich vorhin nicht erschlagen, warum sollte er es jetzt tun? ‘ Langsam, ganz langsam öffnete sie das Salbentöpfchen, tauchte zwei Finger in die blassviolette Paste und näherte sich damit dem verletzten Oberarm des Hünen. Er ließ es geschehen, sah dabei direkt in ihre moosgrünen Augen. Behutsam zog Feyana an einem der astgroßen Finger und der haarige Riese schien zu verstehen und nahm die Hand von der Wunde. Sofort begann das Blut wieder stärker zu fließen und tropfte in die weiße Schale und auf den rauen Holztisch. Feyana legte Zeige- und Mittelfinger auf die Wunde und konzentrierte sich. Sie konnte noch nicht gut zaubern, aber zusammen mit der Einbeerenpaste müsste sie zumindest die Blutung stoppen können. „ Bha´sama sala bian da‘o“, sang das Mädchen und verteilte dabei noch mehr von der Salbe auf der Armwunde des Menschenmannes.

Es fiel Feyana schwer sich zu konzentrieren, denn sie hatte noch immer große Angst. Das astrale Gefüge schien sich zu winden und ihr zu entziehen und kurz befürchtete die kleine Elfe gar, dass ihr der Zauber ganz misslänge. Doch dann spürte sie, wie Heilmagie in das verletzte Fleisch unter ihren Fingern floss und dort Haut, Muskelfasern und Blutgefäße fand. Es war nicht viel magische Kraft, die da floss, aber die Wunde hörte auf zu bluten.

Trotz der Anspannung, der Schmerzen, der Orks und dem Verlust von Bogen und Messer lächelte Feyana.

Und der Menschenmann lächelte zurück.

Dann griff er plötzlich mit der unverletzten Rechten hinter sich und zog Feyanas Elfenbogen aus einem Stapel Feuerholz hervor, der dort aufgeschichtet neben der gemauerten Feuerstelle lag. Der Bogen hatte keine Sehne mehr, schien ansonsten aber unversehrt zu sein. Der Mann legte die Waffe zwischen sich und dem Mädchen auf den Tisch. Dann sagte er wieder etwas in seiner derben Menschensprache, das wie eine Aufforderung klang.

Vorsichtig streckte Feyana die Hand nach ihrem Bogen aus, beobachtete dabei jede Regung ihres Gegenübers. Sie hielt den Atem an, als sich ihre Finger um den Griff der Waffe schlossen. Doch der große Mann schien damit einverstanden zu sein, denn er lächelte noch immer. Dann streckte er die eigene Hand aus, behutsam, wohl um seinen jungen Gast nicht zu erschrecken und berührte sacht Feyanas verschwollene Wange. Was er dabei sagte, verstand das Mädchen nicht. Doch es war eine freundliche Geste und seine Worte klangen beinahe wie eine Entschuldigung, zumindest wie ein Trost. Dann hatte er auf einmal auch noch das steinerne Jagdmesser in der Hand, das er ihr im Wald abgenommen hatte. Wieder legte er es zwischen sich und das Mädchen auf den Holztisch. Nun zeigte er auf den Salbentiegel, der schon fast leer war und anschließend auf Feyanas Wange. Doch die junge Elfe schüttelte nur den Kopf. Stattdessen verteilte sie auch noch den letzten Rest der Heilsalbe auf die tiefe Armwunde im gewaltigen Oberarm des Mannes, solange, bis auch der letzte Rest aufgebraucht war. Erst jetzt nahm sie ihr Jagdmesser und steckte es zurück in die Beinscheide über ihrer grünen Bauschhose.

„Eichhelm“, sagte der große Mann und klopfte sich dabei auf die Brust, „Eichhelm von Wulfen.“

„Feyana“, sagte Feyana und tat es ihm gleich, wobei sie, um besonders höflich zu sein, den Menschen genau nachahmte. Einschließlich seiner bärigen Bassstimme.

Da begann der Mann brüllend zu lachen, klopfte sich auf die riesigen Schenkel und knuffte ihr mit der unverletzten Rechten gegen den Oberarm, worauf das Mädchen ihn so entsetzt ansah, dass er sich ganz schnell wieder beruhigte und entschuldigend die Hände hob.

Stattdessen stand er nun auf und bedeutete dem Mädchen sich auf seinen Stuhl zu setzen. Er selbst ging in die lediglich durch eine dünne Bretterwand abgetrennte Nebenkammer. Durch den offenen Durchgang konnte Feyana ein großes Bett und eine eisenbeschlagene Truhe sehen, in der offenbar Kleidung lagerte, denn der Mann holte ein Tuch daraus hervor und knotete es sich um den noch immer blutverkrusteten Oberarm. Dann nahm er einen weiteren Stuhl, der neben dem Bett gestanden hatte und kehrte damit in den Hauptraum zurück.

„Unnötig“, sagte Feyana sehr deutlich in der melodiösen Sprache der Elfen und zeigte auf den Tuchverband, doch der Mann verstand sie offenbar nicht. Stattdessen stellte er zwei hölzerne Teller auf den Tisch. Einen vor sich selbst und einen vor das Mädchen. Dann entnahm er einem bunt bemalten Krug eine honiggefüllte Bienenwabe und teilte sie gerecht in zwei Portionen, die er jeweils auf einen der Teller legte. Die kleine Elfe machte große Augen. Sie liebte Bienenhonig!

„Unnnnöig?“, fragte der Mann und zwinkerte ihr zu.

Diesmal war es Feyana, die lachte.

Befreit und glockenhell.

Jäh sprang Eichhelm auf.

Mit einer fließenden Bewegung griff er nach dem riesigen Schwert hinter sich. Seine haarigen Finger schlossen sich wie Bärentatzen um den Griff der mächtigen Waffe.

Feyana starrte ihn an.

Doch dann hörte sie es auch…

Mit fliegenden Fingern spannte sie ihren Bogen mit der Ersatzsehne aus ihrer Gürteltasche auf und nockte den letzten guten Pfeil ein. Der Menschenmann sah sie fragend an und sie zeigte nach oben. Jemand oder etwas war dort hinaufgeklettert. Der Hüne hatte offenbar nicht Feyanas feine Ohren. Doch er mochte über eine Art sechsten Sinn verfügen, der ihn Gefahr spüren ließ. So war er wohl auch ihrem ersten Pfeil ausgewichen.

Von oben war nun deutliches Kratzen zu vernehmen. Dann wurde eine der hölzernen Dachschindeln beiseitegeschoben und ein derbes Gesicht mit platter Nase und kurzen elfenbeinfarbenen Hauern im Unterkiefer erschien in der Öffnung. Kleine, böse Augen sahen das Mädchen direkt an. Dann brüllte die Kreatur etwas in einer kratzigen Sprache, das entfernt wie Feyanas Namen klang.

Orks!“, rief die junge Elfe voll Entsetzen.

Und der letzte gute Pfeil aus ihrem Köcher sirrte wie eine wütende Hornisse durch die Lücke im Dach.

Der Schwarzpelz stieß einen gellenden Schrei aus und sein Kopf verschwand von der Öffnung.

Im selben Augenblick splitterte die niedrige Holztür und fiel krachend in den Raum hinein. Drei weitere Schwarzpelze drängten hinterher. Sofort sprang Eichhelm vor, wobei er Feyana mit einem kräftigen Stoß unter den schweren Eichentisch beförderte. Als das Mädchen sich wieder aufgerappelt hatte, lag der vorderste Angreifer bereits am Boden, gefällt von einem mächtigen Hieb des gewaltigen Zweihandschwerts.

Der nachfolgende Ork brüllte einen Kampfschrei, als er mit einem Satz über den Körper seines gefallenen Kumpans hinwegsetzte. Anders als dieser, der ein mit Fransen besetztes Lederhemd trug, war der schwarze Pelz über dem muskulösen Oberkörper des zweiten Ungeheuers mit weißen Mustern bemalt. Feyana konnte Wellen, Kreise und Handabdrücke erkennen, die wie ein böses Versprechen an jeden wirkten, der es wagen sollte, sich diesem Krieger entgegenzustellen. Dazu führte der bemalte Ork in jeder Faust ein schweres Feuersteinbeil, die er nun beide in einer einzigen wirbelnden Bewegung gegen Eichhelm schwang. Doch der Menschenmann griff sein großes Schwert mit einer Hand in der Mitte der Klinge, während er es mit der anderen nach vorne stieß. Beinahe mühelos drang die gewaltige Klinge der Kreatur durch die Brust und sie stürzte noch in der Bewegung zu Boden, wobei der fallende Körper den Zweihänder des Menschen mit sich riss und unter sich begrub. Einen Augenblick herrschte eine beinahe atemlose Stille. Der dritte Ork war vorsichtiger. Er war kleiner als seine Gefährten, aber Feyanas wache Sinne erfassten sofort, dass er der Gefährlichste der Angreifer war. Er trug eine goldene Halskette, an der die Fangzähne verschiedener Raubtiere aufgefädelt waren. Seine ganze Kleidung war mit merkwürdigen Zeichen bestickt, die Feyana noch nie zuvor gesehen hatte. Auch er trug zwei Waffen, eine Knochenkeule und ein kurze feingeschwungene Klinge, die er nun langsam kreisen ließ, während Eichhelm sich verzweifelt bemühte sein riesiges Schwert unter dem gefallenen Ork freizubekommen, wobei die Enge des Raumes ihn sichtlich dabei behinderte.

‚Der Schamane‘, dachte Feyana voll Entsetzen. ‚Der Orkschamane!‘ Das Elfenmädchen kauerte im Halbdunkel unter dem Tisch und nockte einen ihrer Vogelpfeile ein. ‚Wo war nur der dritte scharfe Pfeil? ‘, überlegte sie fieberhaft. ‚Einer war kaputt und einen hatte sie nach dem Angreifer auf dem Dach geschossen. Aber wo war der, mit dem sie den Menschenmann verletzt hatte? Er musste noch irgendwo im Raum sein. Vielleicht über ihr auf dem Tisch? ‘ Feyana streckte ihre Hand aus und tastete die Tischplatte ab, während der Ork seine Knochenkeule rhythmisch zu schütteln begann und dazu leise vor sich hinmurmelte. Doch statt des Pfeiles fanden Feyanas tastende Finger nur eine der beiden Honigwaben. Das Mädchen zischte ärgerlich und sagte ein unschönes Wort.

Im selben Moment stürmte der Angreifer vom Dach in die Hütte. Der abgebrochene Schaft von Feyanas Pfeil steckte noch immer in seiner Schulter und trocknendes Blut verklebte den schwarzen Pelz, der ebenfalls mit weißen Mustern bemalt war. Dieser Ork war besonders groß und kräftig, schien aber auch deutlich jünger zu sein als die anderen drei, denn seine Hauer waren heller und um einiges kürzer. Trotz offensichtlicher Schmerzen schwang der Neuankömmling mit beiden Händen die eiserne Holzfälleraxt aus dem Hackklotz, als er nun auf Eichhelm zustürzte.

Der große Menschenmann hatte einen Fuß auf den gefallenen Ork gestellt und mühte sich noch immer die Klinge seines langen Schwertes aus dessen massigem Körper zu befreien. Doch da war der Angreifer schon bei ihm. Mit einer schnellen Drehung konnte Eichhelm dem derbe geführten Axthieb gerade noch ausweichen. Doch der Preis dafür war, dass er den Griff seines Schwertes fahren lassen musste. Sofort setzte der Ork seinerseits den Fuß auf seinen gefallenen Kumpan und klemmte damit Eichhelms Schwert zwischen dem Körper des Schwarzpelzes und dem Hüttenboden ein. Ein weiterer wuchtig geführter Schlag zwang den Menschenmann bis an die Wand zurückweichen, um aus der Reichweite der langen Holzfälleraxt zu gelangen. Waffenlos stand er nun dem triumphierend brüllenden Ork entgegen. Der unerfahrene Jungkrieger glaubte nun wohl leichtes Spiel zu haben, denn statt sofort nachzusetzen, reckte er die gestohlene Eisenaxt in Siegerpose und warf seinem Anführer einen lobheischenden Blick zu. Doch dieser kurze, eitle Augenblick genügte Eichhelm, über dessen Flinkheit Feyana einmal mehr staunte. Mit bloßen Fäusten stürzte er sich auf seinen Gegner und drosch ihm die Rechte mitten in das grobschlächtige Gesicht, sodass die platte Nase knackend brach. Blut schoss daraus hervor, während weitere Faustschläge auf den verblüfften Schwarzpelz niederhagelten. Zwar wehrte er sich nun nach Kräften, doch gelang es ihm im Handgemenge nicht die erbeutete Axt wirkungsvoll einzusetzen. Der lange Stiel und der schwere Axtkopf waren auf diese Distanz kaum zu gebrauchen. Zudem schien den Ork die heftig blutende Nase und vor allem auch die Pfeilwunde zu behindern. Obwohl unbewaffnet, gelang es dem hünenhaften Menschen so, seinen Gegner in den Schwitzkasten zu nehmen. Dann spannte Eichhelm seine gewaltigen Muskeln und drückte zu. Der junge Schwarzpelz röchelte und rang um Atem. Doch in diesem Moment stürzte der Orkschamane vor. Er hatte seinen Zaubergesang jäh abgebrochen. Stattdessen griff er nun mit seinen beiden Handwaffen den im Nahkampf gebundenen Menschenmann an. Feyana meinte dabei Wut und Sorge in seinen ungeschlachten Zügen des Orken zu erkennen.

Der erste wilde Hieb seiner Knochenkeule verfehlte Eichhelms Kopf um Haaresbreite und traf stattdessen den Rücken des großen Mannes. Es gab einen dumpfen Ton, der einfach fürchterlich in Feyanas feinen Ohren dröhnte. Der wuchtig geführte Schlag presste Eichhelm die Luft aus den Lungen und ließ ihn wanken. Möglicherweise waren sogar ein oder zwei Rippen gebrochen, denn sein eben noch eisenharter Griff um den Hals des Gegners wurde sichtbar schwächer. Der weißbemalte Orkkrieger, der schon fast bewusstlos geworden war, bäumte sich jäh auf. Gleichzeitig stieß der Schamane mit der anderen Waffe nach dem Menschen, in der die junge Elfe im Halbdunkel der Blockhütte nun voll Entsetzen Lauriel Silberklangs schlankes Kurzschwert Dämmerglanz erkannte. Die magisch geschärfte Klinge verfehlte Eichhelms Auge nur knapp und streifte stattdessen seine Wange.

Heißes Blut floss aus einem tiefen Schnitt über das bärtige Gesicht.

Der jüngere Ork schnappte hörbar nach Luft, als der Griff seines Gegners sich weiter lockerte. Gierig sog er die Luft ein und schöpfte neue Kraft. Stränge dicker Muskeln spannten sich unter dem krude bemalten schwarzen Pelz.

Feyanas Bogensehne sang.

Ein Vogelpfeil knallte mit einem satten ‚POCK‘ gegen die Schläfe des Schamanen. Der orkische Zauberweber stand einen kurzen Augenblick ganz still, als überlege er angestrengt, was jetzt wohl am besten zu tun sei. Dann verdrehte er die Augen, stürzte krachend auf die Bodenbretter der Blockhütte und blieb dort still liegen.

Eichhelm keuchte. Das Blut aus seiner Gesichtswunde lief ihm über die Wange. Der Ork hatte sämtliche Muskeln angespannt und warf sich nun mit verzweifelter Wut gegen den schwächer werdenden Klammergriff des Menschen. Schweigend rangen die beiden Riesen miteinander.

Da trat Feyana ganz dicht vor die beiden Kämpfer hin. Der Pfeil, der kurz zuvor im Oberarm des Menschen gesteckt hatte, lag auf der Sehne, als sie ihren Bogen hob, auf den wütenden Schwarzpelz anlegte und die Sehne bis zu ihrem Mundwinkel durchzog.

„Schluss jetzt!“, brüllte das Mädchen in ihrer elfischen Muttersprache.

Mensch und Ork sahen überrascht auf.

Der junge Schwarzpelz machte große Augen, als er plötzlich des blutverschmierten Pfeiles gewahr wurde, dessen im Zwielicht metallisch schimmernde Spitze sich nur wenige Zoll vor seinem Gesicht befand. Er hatte zwar vermutlich nicht verstanden, was Feyana gesagt hatte, aber als er den gespannten Bogen und die entschlossene Miene der jungen Elfe sah, gab er sofort allen Widerstand auf und ließ sich mit hängenden Schultern von Eichhelm gefangen nehmen.

Während er einen Fesselstrick um die Handgelenke des jungen Orkkriegers festzog, brummte der große Mensch etwas in Feyanas Richtung, das sich wie eine Frage anhörte. Dazu wies er auf seinen noch immer mit dem Tuch verbundenen rechten Oberarm und dann auf die am Boden liegenden Orks. Das Mädchen nickte. Dabei ahmte sie die Bewegung des Bogenschießens nach und zeigte auf den Ork. Dann wiederholte sie die Bewegung, zeigte diesmal auf Eichhelm, machte ein entsetztes Gesicht und schüttelte den Kopf: „Ja, ich habe versehentlich auf dich geschossen, weil ich dich für einen Schwarzpelz gehalten habe“, sagte Feyana dazu, obwohl sie wusste, dass Eichhelm mit ihren elfischen Worten nichts anfangen konnte. Aber das machte nichts, denn Eichhelm schenkte ihr ein schmerzverzerrtes Grinsen, das ihr zeigte, dass er verstanden hatte. Es machte sie froh, dass das Missverständnis nun geklärt war und so lächelte sie voller Wärme zurück, während draußen, ganz in der Nähe, ein Nachtigallenmännchen seinen zwitschernden Brutgesang anstimmte.

Feyana erstarrte und ihr Lächeln gefror.

Es war noch nicht vorbei!

Rasch lief sie zu dem bewusstlosen Schamanen hinüber, nahm Dämmerglanz an sich und wandte sich der eingetretenen Tür zu.

„Oorkss?“ fragte Eichhelm besorgt und zerrte endlich sein gewaltiges Schwert frei.

Keinen Moment zu früh, denn plötzlich standen drei weitere Gestalten im Gegenlicht der gesplitterten Türöffnung. Die Silhouetten zweier Kinder, begleitet von einer erwachsenen Frau, die einen aufgespannten Bogen in den Händen hielt. Unbekümmert umspielte der Herbstwind ihr schulterlanges, federgeschmücktes Haar.

„Feyana?“, fragte Nairas helle Stimme und klang dabei erleichtert und besorgt zugleich. „Geht es dir gut?“

„Wir suchen seit fast zwei Tagen nach dir!“, sprudelte nahezu zeitgleich ihr jüngerer Bruder Cayariel los, der hinter seiner Schwester stand und daher kaum in den Raum hineinsehen konnte: „Naira und ich haben die Krieger der Nebelkatzensippe getroffen kurz nachdem du verschwunden warst. Sie haben die Orks überwältigt und alle Gefangenen befreit. Nur der Schamane, sein Sohn und zwei seiner Leute konnten entkommen. Sahja glaubt, dass sie dir hinterher sind, weiß aber nicht warum. Wir haben jedenfalls eure Spuren bis hierher verfolgt und… Oh…!“ Erst jetzt schien der Elfenjunge die am Boden liegenden Feinde zu bemerken: „Hast du etwa die ganzen Schwarzpelze hier…“

„Still ihr beiden!“, ging Sahja Nebelkatze scharf dazwischen. Dann trat die dunkelhaarige Elfenfrau als Erste durch den zerstörten Eingang in das Halbdunkel der Blockhütte hinein. Ein verziertes Wolfsmesser hing an der Seite der in Leder gerüsteten Kriegerin und ein Pfeil mit scharfer Metallspitze lag schussbereit auf der Sehne ihres Elfenbogens. Der Blick ihrer goldgesprenkelten, leicht schrägstehenden Augen huschte abschätzend über die Anwesenden und verweilte dann einen langen Moment auf Feyanas linker Gesichtshälfte, auf der deutlich ein angeschwollener, bläulich-rot verfärbter Handabdruck zu erkennen war. „Wer ist der Mensch mit dem Schwert?“, fragte die Waldelfe und ihre melodiöse Stimme war so kalt wie eine sternenklare Winternacht: „Hat er dich geschlagen?“

„Ja, äh…, ich meine nein…, also doch schon aber…“, stotterte Feyana. Dann trat sie schnell zwischen Eichhelm und Sahjas Bogen, straffte die Schultern und sagte:

„Er ist ein Freund.“