Türchen 09: Szintiss

Bleistift auf Papier, 2020

Caution: English description below!

Dieses Bild war ein privater Auftrag eines DSAAchaz Kristallomanten auf einer Queste nach seiner Gefährtin, deren Schatten im Hintergrund am Sternenhimmel zu sehen ist.

Dazu diesmal etwas ganz Besonderes: eine Kurzgeschichte (geboren aus der Inspiration dieses Songs) des Auftraggebers Stefan Heyer in Kooperation mit seiner Frau Nicky. Viel Spaß beim Lesen. =)

Langsam sank Pyrrs Auge über den grünen Hügeln am Horizont. Der kühle Wind trug einen blumigen, fast frühlingshaften Duft mit sich. Erschöpft aber zufrieden standen zwei mit Goldschmuck behangene Echsen vor einem gewaltigen Zelt. Der Tag war arbeitsreich gewesen und obwohl sie dem Schlaf näher waren als dem Bewusstsein, schien es so, als ob sie nicht weiter auseinanderstehen wollten als unbedingt nötig.
„Szintiss“, durchbrach ihre Stimme die friedliche Stille, „viel ist nicht mehr zu tun.“ Er unterdrückte ein instinktives Aufrichten seines Rückenkamms. „Nur wenige Tage, dann ist es vollbracht.“ Eine einfache Aussage mit viel Bedeutung. Seine Gedanken begannen zu reisen. Seit der Niederlage des Goldenen waren die Glatthäuter immer tiefer in die Gebiete des ewigen Volkes vorgedrungen. In ihrer Dekadenz geblendet, hatten die großen Tempelstädte dieser Bedrohung keine Bedeutung beigemessen. Nun war es fast zu spät. Das Reich war auseinandergebrochen und während einige sich weiter auflehnten, so versuchten andere einen Weg zur Koexistenz zu finden.
Eine Kristallomantin, Ssirissa, hatte sich ihm anvertraut, ungewohnt deutlich mit tiefer Traurigkeit in der Stimme: „Zuerst hielt ich es für Hass. Hass war alles, was ich für die Sterblichen empfand. Hass hat meine Welt bestimmt, mich eingesperrt, mich essen, trinken und atmen gelehrt. Dann zerbrach meine Welt. Der Meister öffnete mir die Augen. Ich erkannte das N’shr Ssa’Khr Ssech uns vom Weg abgebracht hatte, der eine Wandlung in unserem Volk bewirken sollte. Es war nicht der Weg, den Zsahh für ihr Volk ausgewählt hat.“ In diesem Moment hatte er begriffen, es war ihm nicht anders ergangen. N’shr Ssa’Khr Ssech hatte ihn und die anderen Kristallomanten, nein ganz Yash’Hualay korrumpiert.
Heute, nachdem eine Allianz mit den Menschen besiegelt wurde, waren die Vorbereitungen beinahe abgeschlossen, um ihn in seiner Festung anzugreifen.
Der Plan war tollkühn. Ein gewaltiges Ritualzelt sollte den Bannzauber tragen. Die Zauberweber der Glatthäute wirkten ihre Zaubertänze. Ihr Meister fügte den größten verbliebenen Schatz der sterbenden Echsenzivilisation hinzu, ungezählte Edelsteine, welche die Zauber vereinten.

Er schüttelte den Kopf um seine Gedanken in die Gegenwart zurück zu holen. Sein Blick richtete sich auf Ssirissa. In den vergangenen Jahren hatte er sie sehr schätzen gelernt, allerdings mehr als er für eine Weggefährtin empfinden würde.
„Ssirissa, Szintiss“ erklang Aliss’Szargos Stimme hinter ihnen. „Ich danke euch für die ausgezeichnete Arbeit. Bald können wir aufbrechen und diesem Wahnsinn ein Ende setzen.“ Ihr Meister hielt kurz inne, legte den Kopf schief.
„Ich will euch eine Frage stellen, wie blind kann man für das Offensichtliche sein?“ Beide sahen sich überrascht an, zu verwirrt, um zu bemerken, dass die Haltung des einen dem Anderen ein Spiegel war.

„Meister, was“, begann sie, „haben wir übersehen?“, beendete er die Frage.
„Ich stelle fest, dass euer beider Geist, sonst so wach, auf diesem Fleck blind ist“, entgegnete der Ssrkhreschu mit einem Anflug von Amüsement. Er verschränkte das untere Paar seiner Arme und fixierte die beiden mit goldenen Augen. „Es ist spät geworden. Ihr solltet ruhen.“ Die obere rechte Hand vollführte eine entlassende Geste. Instinktiv wandten sie sich zum Gehen, als er ihnen noch nach zurief: „Ich will, dass ihr euch heute Abend Zeit nehmt!“

Kurze Zeit später hatten sich Ssirissa und Szintiss auf einer Anhöhe niedergelassen. Schweigend versuchte jeder auf seine Weise die versteckte Wahrheit in den jüngsten Worten des Meisters zu ergründen. Schließlich war er es, der die Stille durchbrach.
„Manchmal verstehe ich ihn einfach nicht. Erst lobt er uns für die geleistete Arbeit, kurz darauf tadelt er uns …“

„Dass wir das Offensichtliche übersehen“, ergänzte Sie. „Ich habe die Kraftstränge mehrere Male überprüft. Die Matrizen der Sterblichen fügen sich nahtlos ein und die Kristalle sind harmonisiert.“
„Der invertiert feuersynchronisierte Kraftknoten im dritten Banncluster?“ warf Szintiss ein.
„Ich bin kein Anfänger!“, konterte Sie mit zuckender Schwanzspitze. „Als nächstes fragst du mich noch …“
„Nach den Arkanofibrillen“, fragte er amüsiert.
„Das läuft mir wohl ewig nach.“ Der resignierende Unterton war deutlich, auch wenn eine Priese Amüsement mitschwang. „Lass uns das Thema wechseln, vielleicht kommen wir später dahinter was er meint.“

„Deine Rolle in dieser Sache wiegt so schwer“, er war selbst überrascht, dass er seine Gedanken auf diese Weise formulierte. „Ich kann nur erahnen, wie es ist mit dieser Doppelbelastung umzugehen.“ Ohne den Blick abzuwenden griff er in seinen Schuppenbeutel und holte zwei überreife Mangos heraus. „Iss etwas.“ Er reichte eine der weichen Früchte weiter.
Erstaunt setzte sie sich auf und nahm die süße Frucht entgegen. „Danke.“ Mit einem beherzten Biss vergrub sie ihre Zähne im Fruchtfleisch. Als sie es schließlich hinunterschlang, tropfte ihr der Saft zäh vom Kiefer. „Manchmal vergesse ich zu essen.“
„Das ist mir in den vergangenen Monden auch aufgefallen.“ Er begann das Fruchtfleisch seiner Mango aus der Schale zu lösen. „Und dass deine Rolle dich innerlich zerreißt.“
„Es muss getan werden!“ Ihr scharfer Ton schien sie selbst zu überraschen. „Wenn wir N’shr Ssa’Khr Ssech nicht aufhalten, werden die Menschen nicht die Letzten sein.“ Ihr Blick richtete sich nach unten.
„Was?“ setzte Szintiss an. Als sein Blick dem ihren folgte, wurde ihm schlagartig klar, was der Grund für Ihre Verwunderung war. Sein Körper hatte unbewusst auf Ihre Sorge reagiert. Seine Hand lag wie zur Beruhigung auf der ihren.
Sie atmete tief ein. „Was soll das?“ Sie klang überrascht, leicht zornig, aber ihre Körperhaltung strafte den Tonfall lügen.
Er nahm all seinen Mut zusammen, wenn ihm Zsahh schon eine Gelegenheit schenkte, wollte er sie nicht verärgern. „Aliss’Szargo sagte mir, dass unser Weg sehr gefährlich ist, wir nicht damit rechnen dürfen ohne Seelenhäutung davonzukommen …“ Sie holte Luft um zu sprechen, doch er sprach weiter: „Ich habe diese Reise für mich immer damit begründet, dass ich mich in den Augen Zsahh´s als würdig erweisen will. Vielleicht sogar unser Volk zu retten. Doch jetzt will ich auch für das kämpfen, was mir lieb und teuer ist.“
Sie hielt den Atem an. „Ich will, sofern es mir die H’Ranga gestatten, dass Wertvollste beschützen, das ich kenne.“
Sie verloren sich im Blick des jeweils anderen, ein Erkennen, dass über ein einziges Leben hinaus reichte. „Sollte es nicht so sein …“

„Werde ich dich im nächsten Leben finden!“ ergänzte sie.
Der Schlaf fand sie in vertrauter Umarmung. Sich gegenseitig wärmend träumten sie von besseren Zeiten.


AND NOW IN ENGLISH PLEASE!

Image caption: pencil on paper, digital postprocessing, 20×20 cm, 2020

This picture was a private order of a The Dark EyeAchaz Kristallomant on a quest for his companion, whose shadow can be seen in the starry sky in the background.

This time something very special: a short story (born from the inspiration of this song) by the client Stefan Heyer in cooperation with his wife Nicky. Have fun reading it. =)

Slowly Pyrr’s eye sank over the green hills on the horizon. The cool wind carried a flowery, almost spring-like scent. Exhausted but satisfied, two lizards covered with gold jewelry stood in front of a huge tent. The day had been busy and although they were closer to sleep than to consciousness, it seemed as if they did not want to stand further apart than absolutely necessary. „Szintiss,“ her voice broke through the peaceful silence, „there is not much more to do. He suppressed an instinctive raising of his back ridge. „Only a few days, then it is done.“ A simple statement with much meaning. His thoughts began to travel. Since the defeat of the Golden One, the smooth-skinned had penetrated deeper and deeper into the territories of the eternal people. Blinded in their decadence, the great temple cities had attached no importance to this threat. Now it was almost too late. The empire had fallen apart and while some continued to rebel, others tried to find a way to coexist. A crystal romantic, Ssirissa, had confided in him, unusually clear with deep sadness in her voice: „At first I thought it was hate. Hate was all I felt for mortals. Hate determined my world, locked me up, taught me to eat, drink and breathe. Then my world shattered. The master opened my eyes. I realized that N’shr Ssa’Khr Ssech had led us astray from the path that would bring about a change in our people. It was not the way Zsahh had chosen for her people. At that moment, he had realized that it was no different for him. N’shr Ssa’Khr Ssech had corrupted him and the other Crystal Entities, no, all of Yash’Hualay.
Today, after an alliance with the humans was sealed, preparations were nearly complete to attack him in his fortress.
The plan was foolhardy. A massive ritual tent was to carry the spell. The magic weavers of the smooth skins performed their magic dances. Their master added the greatest remaining treasure of the dying lizard civilization, countless gems that united the spells.

He shook his head to bring his thoughts back to the present. His gaze was directed towards Ssirissa. In the past years he had learned to appreciate her very much, but more than he would feel for a companion.
„Ssirissa, Szintiss“ sounded Aliss’Szargo’s voice behind them.
„I thank you for the excellent work. Soon we can leave and put an end to this madness.“ Their master paused briefly, tilted his head.
„Let me ask you a question, how blind can you be to the obvious?“ Both looked at each other surprised, too confused to notice that the attitude of one was a mirror to the other. „Master, what,“ she began, „have we overlooked?“ he finished the question. „I notice that both your minds, otherwise so awake, are blind in this spot,“ the Ssrkhreschu replied with a hint of amusement. He crossed the lower pair of his arms and fixed them with golden eyes. „It has become late. You should rest.“ The upper right hand made a releasing gesture. Instinctively they turned to leave, when he shouted after them: „I want you to take your time tonight!

A short time later, Ssirissa and Szintiss had settled on a hill. In silence, each in his own way tried to fathom the hidden truth in the Master’s recent words. Finally it was him who broke the silence.
„Sometimes I just don’t understand him. First he praises us for the work we have done, and shortly afterwards he rebukes us“ – „for overlooking the obvious,“ she added. „I checked the power lines several times. The matrices of the mortals fit together seamlessly and the crystals are harmonized.“ „The inverted fire-synchronized power node in the third spell cluster?“ Szintiss interjected. „I’m no novice!“ she countered with a twitching tail. „Next you’ll ask me“ – „for the arcano fibrils,“ he asked amusedly.
„That will probably follow me forever.“ The resigned undertone was clear, even if a pinch of amusement resonated.
„Let’s change the subject, maybe we’ll find out what he means later.“ – „Your role in this matter weighs so heavily“, he was surprised himself that he formulated his thoughts in this way. „I can only imagine what it is like to deal with this double burden.“
Without averting his gaze, he reached into his shed bag and took out two overripe mangoes. „Eat something.“ He passed one of the soft fruits. Surprised, she sat up and accepted the sweet fruit. „Thank you.“
With a determined bite she buried her teeth in the flesh of the fruit. When she finally devoured it, the juice dripped tenaciously from her jaw. „Sometimes I forget to eat.“ – „I have noticed this in the past moons.“
He began to peel the flesh from his mango. „And that your roll tears you apart inside.“ – „It must be done!“ Her sharp tone seemed to surprise even her. „If we do not stop N’shr Ssa’Khr Ssech, the humans will not be the last.“
Her gaze turned downward. „What?“ Szintiss set in. As his gaze followed hers, he suddenly realized what the reason for your astonishment was. His body had unconsciously reacted to your concern. His hand lay on hers as if to calm her down. She breathed deeply. „What is this?“ She sounded surprised, slightly angry but her posture punished the tone of voice lying. He gathered all his courage, if Zsahh had already given him an opportunity, he did not want to upset her.
„Aliss’Szargo told me that our path is very dangerous, that we cannot expect to get away without soul-skinning…“ She drew breath to speak, but he continued: „I have always justified this journey for me by saying that I want to prove myself worthy in the eyes of Zsahh. Perhaps even to save our people. But now I also want to fight for what is dear to me.“
She held her breath. „I will, if the H’Ranga allow it, protect what is most precious to me.“
They lost themselves in each other’s eyes, a recognition that extended beyond a single life. „Should it not be so“ – „I will find you in the next life!“ she added. Sleep found her in a familiar embrace. Warming each other, they dreamed of better times.